Forschungsmodul V: Suhrkamps globale Beziehungen

Leitung: Prof Dr. Gesine Müller, Universität zu Köln
E-Mail: gesine.mueller(at)uni-koeln.de
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Suhrkamp lässt sich nicht allein auf die Literaturgeschichte der Bundesrepublik reduzieren. Vielmehr holt der Verlag die Weltliteratur in den deutschsprachigen Horizont und präsentiert umgekehrt deutschsprachige Autoren auf der internationalen Bühne. Als zentraler Protagonist in der Rezeption lateinamerikanischer Literatur in Deutschland – mit Julio Cortázar, Juan Carlos Onetti und dem mexikanischen Nobelpreisträger Octavio Paz hat der Verlag gleich drei Jahrhundertautoren im Programm, die auch in der deutschen Gegenwartsliteratur deutlich erkennbare Spuren hinterlassen haben, – und mit wichtigen Autoren aus dem europäischen Ausland (Roland Barthes, Samuel Beckett, Marguerite Duras, T.S. Eliot, Michel Foucault, Zbigniew Herbert, James Joyce, Stanislaw Lem, Cees Nooteboom, Amos Oz) spielt Suhrkamp im internationalen Gefüge eine zentrale Rolle, die es aufgrund des Bestandes näher zu fassen gilt.

Wie verläuft der Prozess der Vermittlung und Aneignung, der Entdeckung und Partizipation? Welche Strategien stehen bei der Durchsetzung und Aufnahme im Vordergrund? Wie werden deutsche Autoren international vermarktet? Und welche Rolle spielen dabei Kontakt- und Beraternetzwerke?

Hierbei werden vor allem zwei Entwicklungen im Mittelpunkt stehen, für die das umfangreiche Archivmaterial neue Einsichten zu geben verspricht. Zum einen ist dies die Frage nach der führenden Rolle des Verlags bei der Rezeption und Kanonisierung lateinamerikanischer Literatur. Welchen Einfluss hatte die verspätete deutsche Rezeption der Autoren des sogenannten Booms der lateinamerikanischen Literatur der 1960er Jahre wie García Marquez, Vargas Llosa, Fuentes und Cortázar auf die Literaturproduktion? Welche Strategien und Verfahren der Kanonisierung und Werkpolitik sind auf der internationalen Bühne relevant?

Auffällig ist zum anderen – besonders im Gegensatz zur marktstrategisch geschickten Positionierung im Bereich der lateinamerikanischen Literatur – die Schwäche des Suhrkamp Verlags in Bezug auf die US-amerikanische Literatur. Bei der Vermittlung nordamerikanischer Literatur bleibt Suhrkamp, trotz nachweislicher Bemühungen, außen vor und überlässt Verlagen wie beispielsweise Rowohlt das Feld. Lassen sich hierfür marktstrategische Erklärungen finden? Oder sind die Antworten in personalen Konstellationen und (fehlenden) Netzwerken zu suchen?

Die Frage nach Suhrkamp im weltliterarischen Rahmen steht im Mittelpunkt des Forschungsmoduls, das in Form der Kooptation an das Suhrkamp-Forschungskolleg anschließt.