Claudia Michalski (geb. Zilk)

Eberhard Karls Universität Tübingen

Dissertationsprojekt: Die edition suhrkamp – eine Kultur der Kritik

Von der edition suhrkamp wird gesagt, dass sie „für das kritische Bewußtsein in Deutschland stand, mitformte am geistigen Klima der Zeit“ (U. Bugmann: Die Zeit abbilden und formen. Neue Luzerner Zeitung, 30. Juni 2000). Mit ihrem unverwechselbaren Äußeren wurde sie zu einer der bekanntesten Taschenbuchreihen der 1960er und frühen 1970er Jahre, Inbegriff der sogenannten „Suhrkamp-Kultur“. Der kritische Anspruch der Reihe, der seither immer wieder herausgestrichen wird, ist jedoch noch nicht systematisch untersucht worden. Hier setzt meine Dissertation an: Ausgehend von einer Untersuchung der Reihe selbst soll das Kritikkonzept der edition suhrkamp in den Blick genommen werden.
Die Kritik, die sich mit der edition suhrkamp verbindet, soll im Rahmen der Arbeit als ‚Kulturkritik‘ verstanden und damit stärker konturiert werden. Wird dieses Kritikkonzept jedoch allein anhand einer Analyse der publizierten Texte dieser Buchreihe erarbeitet, lässt es sich kaum hinreichend erklären: Nur, wenn auch die Autoren, Lektoren, der Verlag, die Rezensenten und Leser, Image und äußere Form der Reihe (Design, Format) sowie evtl. sogar externe Faktoren wie das politisch-kulturelle Umfeld in Frankfurt am Main in einem ausreichenden Maß mitberücksichtigt werden, kann die in der und durch die edition suhrkamp zum Ausdruck kommende Kulturkritik wirklich erfasst werden. Diese vielfältigen Faktoren und ihre Vernetzung untereinander sollen als eine „Kultur der Kritik“ verstanden werden.
Indem die Kritik der es intensiver in den Blick genommen wird, ihre Themenfelder, Topoi und Argumentationen ebenso wie ihre Akteure identifiziert und analysiert werden, wird nicht nur ein Beitrag zur Buchgeschichte oder zur Programmgeschichte des Suhrkamp Verlags geleistet, sondern vor allem ein Kritikverständnis historisch verortet und kontextualisiert. Damit ergibt sich ein enger Zusammenhang dieser Arbeit mit ideen- und kulturgeschichtlichen Arbeiten zur frühen BRD.

Kurzbiographie

Seit 2012
Doktorandin im Suhrkamp-Forschungskolleg / Wissenschaftliche Angestellte, Universität Tübingen (Prof. Dr. Dorothee Kimmich)

2010
Lehrauftrag am Deutschen Seminar der Universität Tübingen

2008-2011
Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache

2002-2010
Studium der Fächer Deutsch, Philosophie-Ethik, Geschichte (Staatsexamen) in Tübingen und Dublin

2003-2009
Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes

2006-2007
Language Assistant, Centre for Language and Communication Studies, Trinity College Dublin

Veröffentlichungen

suhrkamp wissen. Anatomie einer gescheiterten Reihe. In: Zeitschrift für Ideengeschichte VIII/1 (2014), S. 118-126 (gem. mit Tobias Amslinger, Marja-Christine Grüne, Anke Jaspers, Morten Paul und Charlotte Weyrauch).

Disziplinenentstehung – Disziplinenkonfiguration: Germanistik 1750–1920 (Konferenz v. 4.–6.10.2012 in Marbach). In: Zeitschrift für Germanistik 2 (2013), S. 413-416.

Das ewig Weibliche zieht sie hinab…? Rezension zu Brüske, Anne: Das weibliche Subjekt in der Krise. Anthropologische Semantik in Laclos’ Liaisons dangereuses. In: Freiburger Geschlechter Studien 24 (2010), S. 377-379.